Der Dirigent
Preise und Auszeichnungen bei national wie international renommierten Wettbewerben hat Sebastian Laverny erfolgreich gemieden. Es war ihm wichtiger, Musik zu machen als Klinken zu putzen.
Andere Dirigenten schmücken Ihre Lebensläufe gerne mit prominenten Meisterkurslehrern. Bei Ihnen findet sich dagegen nicht ein Meisterkurs. Warum nicht?
Ich glaube, dass man Dirigieren nicht erklären kann. Man drückt sich ja mit seinem Körper aus, aber jeder Körper ist anders, jeder fühlt anders, jeder bewegt sich anders. Entscheidend ist, wie ein Orchester klingt. Es ist nicht wichtig, wie man dahin gekommen ist.
Was war denn ihr wichtigstes Klangerlebnis?
Das war, als ich den Holländer dirigieren durfte. Es war wie eine Droge und doch bleibend. Ich liebe ja auch Puccini und Verdi, aber der Holländer war einmalig. Dieser Klang, der da aus dem Graben kommt, unglaublich, wie ein Schlachtschiff das Du da dirigierst. Ich habe mich teilweise gefühlt wie der Kapitän eines Riesenkreuzers.
Sie waren ja auch als Wagner-Stipendiat in Bayreuth. Haben Sie denn Lieblingskomponisten?
Also von Ravel kenne ich wirklich alles, Strawinsky und Prokofiev schätze ich sehr und auch Richard Strauss finde ich sehr faszinierend. Jemand, der mir natürlich sehr nahe steht ist Bernstein, als Dirigent und Komponist.
Sebastian Laverny dirigiert seit 2001 Chor und Orchester des Mainzer Staatstheaters. Nach dreijähriger Leitung des Sinfonieorchesters „Junges Ensemble Berlin“ führten ihn erste Engagements nach Linz und Bremen. Als Gastdirigent trat er unter anderem bei den Brandenburger Sinfonikern und beim Sinfonischen Orchester Berlin auf. 1995 wechselte er als Chordirektor und Kapellmeister an das Theater Trier, wo er nicht nur bei der CD-Einspielung von Zemlinskys „Sarema“ für Koch International Classics mitwirkte, sondern auch Wilfried Hillers Heidenröslein zur Uraufführung brachte. In Mainz hat sich Sebastian Laverny besonders durch sein Cross-Over-Projekt „Jazz Sinfonisch“ hervorgetan. |
Gibt es denn auch Komponisten, die Ihnen nicht nahe stehen? Natürlich. Man kann nicht alles mögen. Mit Rossini und Sibelius kann ich wenig anfangen. Was ich auch nicht mag ist ein Teil der sogenannten zeitgenössisch-modernen Musik, die selbsternannte Avantgarde, die einfach über die Köpfe der Menschen hinweg komponiert hat.
Der Markt ist von Dirigenten ja ziemlich gesättigt. Heben Sie sich von der Masse ab?
Nun, das muss meine Musik beantworten. Wichtig ist, dass man große Bögen spannt, dass der Klang sich entfalten kann, dass man Emotion nicht im Keim erstickt. Was ich hasse sind diese Erbsenzähler, bei denen nichts rüber kommt. Viele moderne Dirigenten dirigieren, als hätten sie die Noten mit Sagrotan besprüht. Die tun auf Perfektion, aber für mich ist das nicht perfekt, sondern kalt.
Sie sind ja Spanier, vielleicht liegt das am südlichen Temperament…
Das kann sein, Gustavo Dudamel kann ich beispielsweise sehr viel abgewinnen
Was ist denn Ihre Philosophie beim Dirigieren?
Ganz einfach: es muss gut klingen. Das Orchester muss Freude am Spielen haben, dann erreicht es das Publikum. Ein zweiter Punkt ist, dass ich mich dem Komponisten gegenüber verantwortlich fühle. Ich versuche immer herauszufinden, was der Komponist wollte. Deshalb vergewaltige ich keine Stücke, nur um die Presse auf mich aufmerksam zu machen. Wenn ich kreativ sein möchte, komponiere ich einfach selber.
Sie machen ja wahnsinnig viel. Sie sind Dirigent, Chordirektor, Jazz-Pianist, sie arrangieren und komponieren. Wollen Sie nicht einmal Prioritäten setzen?
Im Moment bin ich sehr froh, dass ich meine vielen Interessen unter einen Hut bringen kann. Ich wollte nie das Dirigieren alleine fokussieren. Für mich gehört das alles zusammen. Durch meine Tätigkeit als Chordirektor weiß ich nicht nur, wie Solisten ticken, sondern auch, wie man einen Chor auf der Bühne zu dirigieren hat. Deshalb dirigiere ich gerne Musiktheater. Und durch den Jazz weiß ich, wie man Musicals dirigiert. Durch das Komponieren weiß ich, in Formen zu denken und durch das Dirigieren weiß ich, wie Orchester klingen können. Dadurch verbessere ich meine Arrangements. Sie sehen, das befruchtet sich alles gegenseitig. Das ist schließlich alles Musik.
Das Interview führte Sarah Wendel.
Presse-Stimmen
"Und so existieren sie nebeneinander her, die niedliche Inszenierung von Philip Tiedemann und die Kompositionen von Eduard Künneke, was umso bedauerlicher ist, wo doch Dirigent Sebastian Hernandez-Laverny und sein Orchester die feinen Tango-, Foxtrott- und Pasodoble-Rhythmen vom Schock-Schmalz befreien und so richtig Lust machen, den Dingsda-Komponisten - endlich - kennen zu lernen."
(Ulrike Krickau, Main-Echo, 07. April 2007)
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"Sebastian Hernandez-Laverny dirigiert das behende, aber nicht leichtfertige Staatsorchester, lässt aus den Schlagern auch die Richard-Strauss-Anklänge heraushören. Und Augusts klagende Frage, ob Julia ihn denn liebe, wenn er Roderich sei, darf ordentlich nach Wagner klingen. Weil sie ja am Ende nah beieinander liegen, die Späße und die Weltuntergänge."
(Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau, 03. April 2007)
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"Dirigent Sebastian Hernandez-Laverny beweist, wie unverstaubt Künnekes Musik ist, die statt Operettenwalzer die Tanzrhythmen der Zwanziger mit Foxtrott, Pasodoble, Tango, One-Step schmissig für die Gesangsnummern einsetzt. Sobald die Kantilenen zu schmalzig werden, unterbricht Künneke sie mit schnoddrigen Einwürfen. Stürmischer Beifall für die gelungene Ausgrabung."
(Siegfried Kienzle, Darmstädter Echo, 03. April 2007)
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"Zu den bekannten und eingängigen Melodien Lehárs fand Sebastian Hernandez-Laverny den richtigen Zugang, wählte die passenden Tempi und vermied es, je Langeweile aufkommen zu lassen. Das Philharmonische Orchester spielte mit Drive, aber keineswegs vordergründig. So blieb das Klangbild durchgehend transparent und konturenscharf, waren keine Disintonationen zu vernehmen. Warme Streicherklänge unterstrichen die mitunter auch leicht sentimentalen Melodien des Meister der Operette, der so gerne ein großer Opernkomponist geworden wäre. Gut disponiert präsentierte sich ebenfalls der Chor, den Hernandez-Laverny natürlich auch einstudiert hatte."
(Lars-Erik Gerth, Maintal Tagesanzeiger, 13. November 2004)
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"Der hohe Standard des Philharmonischen Orchesters des Staatstheaters und zahlreiche darstellerische Einzelleistungen garantieren auch ungeachtet eines nicht überragenden Regiekonzepts den Erfolg. [...] Doch gewinnt die Mainzer "Witwe" im Verlauf an Rasanz, zumal auch das Orchester unter der Leitung von Sebastian Hernandez-Laverny bei den hinreißenden Ohrwürmern den rechten Ton trifft. So wird denn auch hier das glückliche Ende in authentischer Stimmung und zu allseitiger Zufriedenheit erreicht."
(Benedikt Stegemann, Frankfurter Allgemein Zeitung Rhein-Main, 08. November 2004)